Archiv der Kategorie: Aktuell

46. Schönbacher Straßenlauf

Am 27.04.2014 fand der 46. Schönbacher Straßenlauf statt. 790 Läufer nahmen daran teil. So viel waren es noch nie in den 46 Jahren. Der Schönbacher Straßenlauf hat eigene Geschichte.  Im Jahre 1967 hat alles angefangen. Die Sportgemeinschaft Traktor Schönbach hat damals das 1. Radrundrennen organisiert und durchgeführt. Dies erwies sich aber als zu gefährlich und wurde ab dem folgendem Jahr bis 1990 als Rudi Arndt Gedenklauf jedes Jahr im Oktober veranstaltet. Ab dem Jahre 1991 ging man dann mit neuem Namen als Schönbacher Straßenlauf an den Start.

Der Schönbacher Straßenlauf hat sich inzwischen als einer  der beliebtesten Volksläufe nicht nur in der Region, sondern  weit über die Grenzen von Schönbach hinaus etabliert. Er zieht jedes Jahr, am letzten Sonntag im April, hunderte Kinder und Erwachsen aus dem neuen Leipziger Land, Sachsen und sogar dem ganzen Bundesgebiet an.

„Ich habe mich sehr gefreut so viele Laufsportbegeisterte hier zu sehen. Besonders habe ich mich über die glücklichen Kindergesichter im Ziel gefreut. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Organisatoren diesen Straßenlauf nicht umsonst veranstaltet haben und haben  so wieder Ansporn für das nächste Mal,“- so Kirmes.

Foto: Org.-Team Schönbacher Straßenlauf

 

Laien sorgen für ausverkauftes Haus

Grimmaer Ortsteil Nerchau feiert Ersterwähnung vor 1040 Jahren

Grimma/Nerchau. Ohne große Stars, dafür mit jeder Menge Herzblut feierten die Nerchauer am Sonnabend im Bürgerzentrum die Ersterwähnung ihres Ortes im Jahr 974. Laienkünstler warfen ihr Können in die Waagschale für das bunte Programm.
Kurzentschlossene hatten schlechte Karten. “Die Veranstaltung ist ausverkauft!” Die dicken Lettern prangten am Eingang des Bürgerzentrums. “Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass eine Veranstaltung in Nerchau ausverkauft ist, wir hätten gut und gern 50 Karten mehr unters Volk bringen können”, freute sich “Thomas von Nerchau” alias Thomas Glaser. Für das Mitglied des Organisationsteams, dem ferner Verena Mannschatz und Heimatvereinsmitglied Elke Weniger angehörten, war dies Bestätigung dafür, dass es nicht zwingend namhafter und kostenintensiver Akteure bedarf, um für Kultur auf dem Land zu sorgen. “Es gibt genügend begabte Nachwuchskünstler, denen man mit Veranstaltungen dieser Art eine Plattform geben kann und auch sollte, und ich denke und hoffe, dass dies nicht die letzte ihrer Art in Nerchau war und sie vielleicht sogar als Anregung für andere Ortschaften dienen kann”, so Glaser.
Begabte Nachwuchskünstler erheischten Beifall, etwa in Person von Zauberer Jacob Eisner, der Mädchengruppe “Déjà-vu” sowie dreier junger Männer, die in Anlehnung an die legendären “Comedian Harmonists” Klassiker wie “Mein kleiner grüner Kaktus” und “Veronika der Lenz ist da” zum Besten gaben. Mit Hits der 30er-Jahre überzeugten Sebastian Simon, Patrick Brückom und Maximilian Eckert – alle 22 Jahre alt – auf der Bürgerzentrum-Bühne. Autodidaktisch hatten die jungen Männer die Titel zuvor einstudiert. “Wir sind in der 9. Klasse anlässlich eines Tages der offenen Tür von unserer Musiklehrerin zu einem solchen Auftritt angeregt worden, und seitdem treten wir hin und wieder im privaten Rahmen auf”, erzählt Patrick Brückom.
Dagegen zählen die Akteure des Nerchauer Sportvereins, die sich gleich mit zwei ihrer Abteilungen – den Kunstradfahrern und den Turnerinnen – in das Jubiläumsfest eingebracht hatten, mit vielen öffentlichen Auftritten zu den Profis. “Dem Sportverein sind wir für sein großes Engagement zu besonderem Dank verpflichtet”, sagte Thomas Glaser. Darüber hinaus hätten fast alle Künstler ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung erklärt, zudem hätten regionale Gewerbetreibenden gespendet. Auch Glasers Frau Jenny verzauberte die Jubiläumsfest-Gäste mit einer orientalischen Tanzdarbietung. Seit einem guten Jahrzehnt frönt die Stewardess diesem Hobby und gibt mittlerweile sogar Kurse an der Volkshochschule. “Durch ihren Beruf kommt sie regelmäßig in Regionen, in denen sie Anschauungsunterricht nehmen kann”, verriet Gatte Thomas das Geheimnis ihrer Professionalität.
Professionell, wie man es von einem Landtagsabgeordneten nicht anders erwartet, füllte auch Svend Gunnar Kirmes seine Rolle als Chronist “Gunnar von Sachsen” aus. “Die Nerchauer besitzen doch tatsächlich im positiven Sinn die Dreistigkeit, ihr Gründungsjubiläum vor dem der Stadt Leipzig zu feiern”, so der Grimmaer CDU-Landtagsparlamentarier.
Roger Dietze

LVZ Muldental vom 05.05.2014

Foto: R. Dietze

Flut-Versicherung: Experten fordern Hilfe für Härtefälle

Fachleute geben Sachsens Ministerpräsident Tillich Rückendeckung

Leipzig. In der Debatte um Versicherungsschutz in möglichen Hochwassergebieten erhält Stanislaw Tillich (CDU) Rückendeckung von Experten. Sachsens Ministerpräsident fordert zumindest für Neubauten eine Pflichtversicherung. Vor dem Hintergrund, dass vielen Flussanrainern von der Versicherungswirtschaft kein Schutz mehr angeboten wird, verlangen auch Fachleute eine wirksame Lösung.
Von Andreas Friedrich und Andreas Dunte
Für Ökonom Joachim Ragnitz macht eine Pflichtversicherung Sinn, Verbraucherschützer Betz plädiert für eine Versicherungspflicht, Risikoforscher Christian Kuhlicke fordert eine gezielte Hilfe für Flussanrainer. Die Modelle unterscheiden sich leicht, im Kern haben sie das gleiche Ziel: Wirksamen Schutz für Hausbesitzer in absoluter Flussnähe. Denen bieten die Versicherungen keine Policen an oder ihre Angebote sind unbezahlbar. Weil diese Grundstücke aber bei den nächsten Hochwassern wieder überflutet sein könnten, halten Ökonomen, Soziologen und Verbraucherschützer einen wirksamen Schutz für unerlässlich. Denn: Umgesiedelt werden können die Betroffenen nicht. Es handelt sich zum Großteil um Bewohner von Altstädten wie Grimma, Pirna, Döbeln und anderen Risikogebieten.
Für Joachim Ragnitz, Vize-Chef des Ifo-Instituts in Dresden, kann dies nur eine Pflichtversicherung leisten. Allerdings keine mit Einheitsprämien, sondern mit je nach Hochwasserrisiko differenzierten Beiträgen. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, private Akteure vor Risiken zu schützen, wenn es privatwirtschaftliche Lösungen wie Versicherungen gebe. “Wenn es kein Hochwasser gibt, genießen die Immobilienbesitzer den schönen Ausblick beziehungsweise können höhere Mieten einstreichen. An diesen Vorzügen ist der Staat auch nicht beteiligt. Weshalb sollte er sich dann am Schaden im Fall einer Flutkatastrophe beteiligen?”
Durch eine solche würde auch der massiven Überbewertung der Immobilien entgegengewirkt. Durch den Automatismus staatlicher Hilfen bei Flutschäden sei der Wert dieser Häuser stark überhöht. Ragnitz spricht sich auch deshalb gegen staatliche Hilfen nach jedem Hochwasser aus, denn “dann erlahmt natürlich private Vorsorge, und letzten Endes gibt es auch keinen Anreiz dafür, sich privat gegen Flutschäden oder andere Naturkata- strophen zu schützen”. Eine Versicherungspflicht müsse daher nach Schadensereignissen und Risiken differenzieren.
Verfechter einer Versicherungspflicht ist auch Joachim Betz, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Sachsen. Er plädiert für ein Modell ähnlich der KFZ-Haftpflicht. “Alle Elementarschadenrisiken von Hochwasser über Sturm und Hagel müssten in eine solche Versicherung. Die Prämien werden abgestuft nach der Wahrscheinlichkeit eines Eintritts dieser Risiken berechnet.” Für den Fall, dass alle Risiken gleichzeitig eintreten, müsse der Staat eine Ausfallgarantie übernehmen. Das sei immer noch günstiger, als immer wieder Steuergeld für die Flut-Soforthilfe aufzubringen.
Auch Christian Kuhlicke, Experte für Risikomanagement am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig, mahnt, Härtefälle nicht allein zu lassen. Er führte im Rahmen einer Studie eine Befragung von Hochwasser-Betroffenen durch. Demnach sei die Mehrheit zwar versichert, zehn Prozent wollen oder können sich aus eigener Entscheidung eine Versicherung nicht leisten und zehn Prozent bekämen keine Versicherung mehr angeboten. “Das sind Bewohner von Altstädten, die kann man nicht umsiedeln, die werden also immer wieder von Hochwasser betroffen sein, denen muss man helfen”, so Kuhlicke. Möglich seien eine staatliche Kompensation im Schadensfall oder auch eine Versicherungspflicht mit differenzierten Beiträgen. Je größer die Hochwassergefahr, desto höher Versicherungsprämie und Selbstbeteiligung. “Nach dem Prinzip funktioniert das Versicherungssystem. Und es funktioniert für 80 Prozent der Kunden sehr gut”, so Kuhlicke. Doch es biete eben keine Lösung für Härtefälle an.
Für eine Versicherungspflicht ist nach Einschätzung von Experten jedoch eine große politische Überzeugungsarbeit nötig. Es muss klar gemacht werden, dass auch die fern jeglicher Flüsse wohnenden Versicherungskunden davon profitieren, in dem sie etwa gegen Hagel, Stürme oder andere Extremereignisse versichert wären.
@Das ausführliche Interview mit Joachim Ragnitz zu Hochwasser-Versicherungen und besserem Bürgerschutz: www.lvz-online.de/download

LVZ 22.04.2014

Tillich fordert bezahlbare Policen auch für Risikogebiete

Versicherungsgipfel in Dresden: Tillich fordert bezahlbare Policen auch für Risikogebiete. Der Landesvorsitzende der Sächsischen Union, Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat die Forderung nach einem bezahlbaren Versicherungsschutz gegen Hochwasser und andere Naturkatastrophen auch in besonders gefährdeten Lagen bekräftigt. „Der Abschluss einer Elementarschadenversicherung muss auch in hochwassergefährdeten Gebieten zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen möglich sein“, sagte Tillich am Montag bei einem Spitzengespräch mit der deutschen Versicherungswirtschaft in Dresden. „Entscheidend ist dabei weiterhin, dass Versicherer und zu Versichernde sich an einen Tisch setzen, um auch in schwierigen Einzelfällen noch Lösungen zu finden.“ „Wenn sich kein anderer Weg abzeichnet, müssen wir auch über eine Pflichtversicherung sprechen, die solidarisch alle einschließt“, sagte Tillich weiter. Er verwies auf eine von der Justizministerkonferenz Ende 2013 eingesetzte Arbeitsgruppe. Deren Auftrag ist es, die rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten einer größeren Verbreitung von Elementarschadenversicherungen einschließlich einer Versicherungspflicht für solche Schäden auszuloten. In dem Zusammenhang schlug Tillich – als eine denkbare Variante – eine Gebäudeversicherung vor, die in jedem Fall auch den Schutz gegen Naturgewalten einschließt. „Die Versicherungsunternehmen sollten darüber nachdenken, künftig eine Gebäudeversicherung inklusive Schutz gegen Elementargefahren anzubieten, der anders als bislang nicht abgewählt werden kann.“ Er verwies darauf, dass in Deutschland hohe Schäden nicht allein durch Hochwasser verursacht würden, sondern beispielsweise auch durch Hagelstürme oder durch Starkregen ausgelöste Erdrutsche. An dem mittlerweile dritten Versicherungsgipfel nahmen außer Vertretern von Versicherungswirtschaft und Staatsregierung auch Verbraucherschutzexperten sowie Vertreter von Kommunen, Landkreisen und der Wirtschaft teil. Bereits 2010 und 2011 hatte es solche Spitzengespräche gegeben. Sachsen ist im vergangenen Jahr erneut von einer Hochwasserkatastrophe getroffen worden. Die Juni-Flut richtete vielerorts schwere Schäden an. Tillich sagte, „der Hochwasserschutz in Sachsen hatte und hat weiter Priorität.“ Er erinnerte dabei auch an eine gemeinsame Bundesratsinitiative mit dem Freistaat Bayern, die auf eine Beschleunigung von Hochwasserschutzmaßnahmen abzielt. Neben weiteren Verbesserungen beim baulichen Hochwasserschutz gehe es darum, das Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung für Naturgefahren weiter zu schärfen. Angesichts von immer häufiger auftretenden extremen Ereignissen wie Überschwemmungen und Stürmen gelte es, die Eigenvorsorge noch stärker in den Blick zu nehmen. Sachsen werde daher auch die gemeinsame Informationskampagne mit der Versicherungswirtschaft fortführen. „Jedem Hauseigentümer und jedem Unternehmer muss klar sein, dass nicht automatisch der Staat finanziell einspringen kann, wenn sich Naturkatastrophen ereignen“, mahnte Tillich. Für die Betroffenen der Juni-Flut gebe es auch dank Bund und Europäischer Union finanzielle Unterstützung in großem Umfang. „Ob und in welchem Umfang der Staat künftig finanziell helfen kann, kann aber nicht prognostiziert werden. Private und Unternehmen, aber auch Kommunen sollten daher vorsorgen. Dazu zählt auch die Absicherung von Elementarschäden. Die individuelle Eigenvorsorge geht vor staatlicher Hilfe.“